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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 2.344 mal aufgerufen
 Euer Leben in kurzen Hosen
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 273

26.04.2012 06:36
Ein Interview für die Schule Zitat · antworten

Vorgestern erhielt ich im Büro einen Anruf von einem Mann. Er sagte, daß seine Tochter in der Schule an einer Projektarbeit beteiligt war und es darum ginge, „auffällige“ Personen in der Region Zofingen zu interviewen und fragte, ob ich mich dazu bereit erkläre. Ich tat es. Der Mann sagte noch, daß seine Tochter sich nicht traute, mich direkt anzurufen. Ich gab ihm meine private Telefonnummer, damit seine Tochter mit mir einen Interviewtermin abmachen konnte. Ich erfuhr auch noch, daß er meine geschäftliche Telefonnummer indirekt über eine andere Mitarbeiterin in der Firma erfahren hat. Am Abend rief die Tochter bei mir an und wir verabredeten uns für gestern 18 Uhr zum Interview in meiner Wohnung.

Gestern kurz vor 18 Uhr erschien auch die Tochter zusammen mit einer Schulkameradin (vermutlich sind sie mit dem Bus gekommen, der gegen 17.45 Uhr bei mir vorbeifährt). Ich brauche wohl nicht betonen, daß ich mich für dieses Interview extra in Schale geschmissen habe. Träger-T-Shirt und kurze Hosen reichten völlig, auf Anzug, Krawatte, Schuhe und eine angemessene Kopfbedeckung habe ich verzichtet. Die Schülerinnen waren winterlicher vermummt. Eine fragte, ob sie die Schuhe ausziehen müsse, worauf ich antwortete, daß in meiner Wohnung jeder selber entscheiden dürfe, ob er Schuhe trage oder nicht. Ich konnte nicht verkneifen, zusätzlich zu sagen: „Wer überhaupt nicht gerne Schuhe trägt, darf sie selbstverständlich ausziehen!“ Die Schülerin, die gefragt hatte, sagte noch: „Gott sei Dank!“ Ob sie zu Hause die Straßenschuhe in der Wohnung ausziehen muß und es lästig findet, auf Strümpfen oder in Finken durchs Haus zu gehen? Jedenfalls behielten beide ihr Schuhe an, auch die Jacken. Bei einer hatte ich im Laufe des Interviews sogar den Eindruck, als ob es ihr in meiner ungeheizten Stube zu kalt war, jedenfalls verschloß sie die Jacke noch mehr.

Ich hatte einen Barfußflyer, einen Kurze-Hosen-Flyer, ein paar Zeitungsausschnitte über mich (speziell mit Polizeikontrollen, jedoch auch andere) sowie ein paar Ausdrucke von Fotos (auch von anderen Barfüßern) bereitgelegt und auch abgegeben. Ich benutzte diese Papiere auch, während ich die Fragen beantwortete. Die erste Frage war, wie ich dazu gekommen war, worauf ich gesundheitliche Aspekte erwähnte, den barfüßigen Müller in Böttstein, mein nicht wiedergefundenes Velo (mit den dort abgestellten Schuhen) am Sarner See und ich zwangsweise barfuß mit dem Zug nach Zofingen mußte. Auch erwähnte ich die ersten Barfußtreffen, meine ersten Eindrücke, die Folgen. Ich wollte damit nur sagen, daß barfuß laufen und das Tragen von kurzen Hosen nichts anderes ist als ob man eine Brille oder einen Bart trägt. Anhand der Fotos konnte ich zeigen, daß ich nicht der einzige war, der im Winter keine Schuhe trägt, und daß es durchaus auch möglich sei, barfuß zu sein und gleichzeitig lange Hosen, Handschuhe und Mütze zu tragen. Auch wies ich darauf hin, daß man im Winter in letzterer Aufmachung besser vor Polizeikontrollen geschützt sei als in kurzen Hosen, weil man dann weniger auffiele. Ebenso erwähnte ich meine Velotouren und meine Übernachtungen im Freien im Schlafsack. Auch erwähnte ich meinen Auftritt in der Fernsehsendung „Puls“:
http://www.youtube.com/watch?v=8p0hHrqkWnw
http://www.youtube.com/watch?v=A6pB5f3Rjuk

Es kam auch die Frage auf, ob es schwieriger sei, in „nicht übermäßig winterlicher Aufmachung“ einen Lebenspartner zu finden, worauf ich antwortete, daß ich nie das Verlangen nach einem Lebenspartner hatte und es deswegen nicht beurteilen könnte. Ich erwähnte aber, daß es Fälle gab, daß Ehen in die Brüche gingen, meistens aber lag der Grund aber daran, daß es in der Ehe an sich kriselte und Barfüßigkeit dann nur als Aufhänger genommen wurde. Dagegen wäre es selten, daß eine bisher intakte Ehe in die Brüche geht, wenn einer anfängt, barfuß zu laufen oder kurze Hosen zu tragen. Ich gab aber auch offen zu, daß die Tatsache, daß ich im Raum Zofingen keine Verwandten habe, sicher die Abkehr von „spießbürgerlichen Normalität“ vereinfacht haben und daß, nachdem ich „meinen“ Weg eingeschlagen hatte, die Verbindung zu meinen weit weg wohnenden Verwandten lockerer wurde. Ich erwähnte natürlich auch, daß ich als Chemiker im Labor Schuhe und lange Hosen aus Sicherheitsgründen tragen müsse, daß die Arbeitskollegen sich an meinem Freizeitverhalten nicht stören (bis auf ein mittlerweile pensioniertes hohes Tier) und daß es mir völlig egal war, was die Nachbarn von mir denken. Schließlich füge ich niemandem einen Schaden zu. Ich konnte es auch nicht lassen, den „alteingessenen Zofinger“ zu charakterisieren: Der alteingesessene Zofinger ist äußerlich nicht abweisend gegenüber „Fremden“. Als „Fremder“ darf mein seine Arbeit tun, aber nicht mehr. In die „intimen“ Zofinger Bereiche käme man als Fremder nicht rein. Und als „Fremder“ zählen nicht nur Ausländer, sondern auch Schweizer aus anderen Gemeinden, sogar solche aus Mühlethal, was heute zu Zofingen gehört, früher aber selbständig war. Eine Schülerin, die aus Mühlethal kommt, konnte dieses bestätigen. (Für manch einen alteingesessenen Hamburger sind die Altonaer und Harburger ja auch noch heute „Quittjes“) . Auch erwähnte ich, daß manch ein scheinbar „distanziert freundlicher Zofinger Füdlibürger“ hinter dem Rücken die Polizei ruft. Meine Polizeigeschichten, speziell die in Zofingen und Stuttgart, verursachten bei den Schülerinnen ein Grausen.

Erst als sie sich bereits im Gehen befanden, kam die K-Frage. Ich entgegnete, daß es mir in der Wohnung nicht zu kalt sei und ich draußen bei den gegenwärtig herrschenden Temperaturen auch nicht zu kalt sei. Bei tieferen Temperaturen würde ich schon eine Jacke tragen, und als es im Februar nicht über -10°C tagsüber wurde, wäre ich sogar mit Schuhen zum Einkaufen gefahren, aber immerhin in kurzen Hosen. Ich zeigte den Schülerinnen auch den Platz drinnen vor der Haustür, wo meine Schuhe standen. Insgesamt hat das Interview etwa eine Stunde gedauert. Die Schülerinnen sagten, daß das Interview Spaß gemacht hat, besonders haben sie sich zu den Unterlagen gefreut, die ich abgegeben habe. Sie haben auch gefragt, ob sie die Fotos im Schülerkreis zeigen dürfen. Sie dürfen! Denn schließlich mach ich nichts Verbotenes. Auch mir hat das Interview gefallen. Für vieles, was ich sonst noch hätte erzählen können, war keine Zeit. Bei dem Interview habe ich aber „Insider-Ausdrücke“, wie sie in den Foren häufig zu lesen sind, nicht gebraucht, z.B. Offtopic-Fahrzeug, fett beschuht, echter und unechter Barfüßer, 4rad, Ratinger Definition, Stehkragenproletarier. Als einziges gebrauchte ich für einen Beamten der Deutschen Bundespolizei einen Ausdruck, indem ich lediglich die Kopfbedeckung nannte.

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen

Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 273

08.06.2012 06:22
#2 RE: Ein Fototermin für die Schule Zitat · antworten

Gestern Abend kamen die beiden Schülerinnen noch einmal bei mir zu Hause vorbei, um ein paar Fotos zu schießen für das Schulprojekt. Es war sommerlich heißes Wetter kurz vor dem Gewitter. Ich war natürlich barfuß und trug als einziges Kleidungsstück eine kurze Hose. Auch die Schülerinnen waren leichter bekleidet als beim ersten Termin. Beide trugen ärmellose Oberbekleidung und Ballerinas, die eine in Kombination mit einer echten kurzen Hose und keinerlei Strumpfwerk, die andere in Kombination mit langen schwarzen Leggings und Nylons.



Beide Schülerinnen hatten nicht-malo-konforme Kameras dabei. Sie machten Aufnahmen, wie ich auf dem Balkon auf einem Stuhl saß, wie ich auf dem Balkon stand und wie ich mit dem Velo über den Rasen fuhr. Vor allem letzteres mochten sie wohl gerne fotografieren. Was wohl die spießigen Nachbarn gedacht haben, wie ich mit dem Velo unter der Gartenschaukel wie durch einen Torbogen fuhr?



Die Projekte sollen in einer Woche in der Schule ausgestellt werden, und mir wurde gesagt, daß ich sie mir auch ansehen können. Der genaue Termin werde mir noch mitgeteilt. Wenn es mir zeitlich paßt, werde ich sicher dorthin fahren, selbstverständlich barfuß und in kurzen Hosen (aber mit Oberbekleidung). Vielleicht kann ich dort auch ein paar Barfuß- und Kurze-Hosen-Flyer auslegen.



Schöne Grüße

Michael aus Zofingen

Senti Offline

Admin


Beiträge: 942

08.06.2012 17:25
#3 RE: Ein Fototermin für die Schule Zitat · antworten

Hallo Michael,

Kannst du mir verraten was "nicht-malo-konform" bedeutet???

Gruß
Thomas

Was nicht tötet, härtet ab

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